Vergessene Künstlerinnen
Gusti Knight-Stinnes (1912-1978), Mondgestein, Öl auf Malplatte, 1972 © Museum Werdenfels

Vergessene Künstlerinnen

Hermine Biedermann-Ahrendts (1855-1916), Anna von Schubert (1884–1964) und 
Gusti Knight-Stinnes (1912–1978 Garmisch-Partenkirchen)

DATUM

  19. Juni bis 14. Februar 2027

Download

Ab 19. Juni widmet sich das Museum drei Künstlerinnen, deren Werk einst international Anerkennung fand: Hermine Biedermann-Arendts, Anna von Schubert und Gusti Knight-Stinnes. 

Drei Generationen von Malerinnen, völlig verschiedene Lebensläufe und Kunstauffassungen - aber auch Gemeinsamkeiten. Was alle drei Künstlerinnen charakterisiert, ist der starke Wille, die eigene künstlerische Begabung auszubauen und professionelle Künstlerin zu werden. In einer Zeit, in der Frauen in der Kunstwelt bei weitem nicht gleichberechtigt waren und nicht ernst genommen wurden, war das ein mutiger Schritt. Über ein halbes Jahrhundert trennen Hermine Biedermann-Arendts (*1855) und Gusti Knight-Stinnes (*1912) und gerade in der Ausbildungssituation hatte sich in dieser Zeitspanne viel geändert. Dennoch ist es erschreckend, wie letztendlich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Frauen vom Kunstbetrieb nicht als gleichermaßen talentiert, innovativ und künstlerisch eigenständig wie Männer wahrgenommen wurden.

Hermine Biedermann-Arendts war eine der Künstlerinnen, die der kommenden Frauengeneration mit der Gründung von privaten Malschulen und dem Vorleben einer professionellen Künstlerkarriere den Weg geebnet haben. Auch wenn sie, anders als die beiden jüngeren Malerinnen, nicht das Ziel hatte, eine eigenständige Handschrift zu entwickeln, sondern im Stil der damals gängigen und erfolgreichen Münchner Schule das Motiv der humoristischen Tierbilder für sich entdeckt hatte, war sie eine handwerklich hervorragende Malerin. Gerade in dieser Nische konnte sie dem Konkurrenzkampf mit den männlichen Malern ausweichen und sich erfolgreich an Ausstellungen beteiligen. Kaiserin Elisabeth (Sissi) und Prinzregent Luitpold waren unter den Käufern ihrer Bilder. Ein Werk von ihr, „Jagdhund mit Hase“ (1879), fand Eingang in die Sammlung der Alten Nationalgalerie in Berlin. 

Eine Gemeinsamkeit verbindet Anna von Schubert (*1884) und Gusti Knight- Stinnes (*1912): Beide verfolgten den Plan, professionelle Künstlerinnen zu werden, sehr konsequent. Deswegen mussten sie die Stadt, in der sie jeweils aufgewachsen waren, verlassen und als junge Frauen alleine in die großen Kunstmetropolen München und Paris ziehen, um hier ihre Kunststudien professionell weiterzuführen. Beide betonten ihr Leben lang, dass sie ein eigenständiges künstlerische Werk schaffen wollten. Beide waren als Frauen in der dominierenden Männerwelt besonders kritisch dem eigenen Werk gegenüber und auch deswegen erst spät in Ausstellungen vertreten. Ihnen gelang es in jahrelangen Kunst- und Maltechnikstudien - stilistisch auf völlig verschiedene Art - eine eigenständige Handschrift zu entwickeln.

Anna von Schubert konnte sich schließlich in China endgültig von ihren impressionistischen Vorbildern lösen. In den Menschen, Tempeln, Interieurs und Landschaften dort - hatte sie die Motive gefunden, die sie über Jahrzehnte lang immer reduzierter und skizzenhafter umsetzte. Gegen Ende ihres Lebens entstanden daraus abstrakt wirkende Kompositionen, in der die bewegte malerische Geste den Rhythmus angibt.

Gusti Knight-Stinnes dagegen ging stilistisch einen entgegengesetzten Weg. In der Einsamkeit Ihres Studios in Partenkirchen schuf sie in zwei Jahrzehnten ein Lebenswerk, das gerade durch seine klare und präzise Linienführung heraussticht. In ihren phantastischen Stillleben kombinierte sie den menschlichen Körper, teilweise nur Hände oder auch Handschuhe und Masken mit der Natur. Manche dieser surrealistischen Kompositionen sind versöhnlich oder gar witzig. Ihre andere Werkreihe dagegen erzählt düstere Geschichten, über entfremdete, graue Menschenmassen zwischen grauen Stadtlandschaften, aus denen farbig ein einzelner Mensch, verdeckt hinter einer Maske heraussticht. Ihre Gemälde werfen beim Betrachten Fragen auf und sprechen uns auf einer unterbewussten Ebene direkt an.

Obwohl sie zu ihren Lebzeiten erfolgreich waren, sowohl Anna von Schubert als auch Gusti Knight Stinnes hatten in Ausstellungen in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München Erfolge gefeiert, gerieten sie nach ihrem Tod völlig in Vergessenheit. So steht ihr Werk exemplarisch für viele Künstlerinnen, die zwischen Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurden, die sich mit Begabung, Konzentration und großer Ernsthaftigkeit der Malerei widmeten, deren Stimmen im Kunstbetrieb jedoch kaum Gehör fanden. Mit dieser Ausstellung wird ein Beitrag zur Wiederentdeckung und Würdigung faszinierender Lebenswerke geleistet.

 

Museum Werdenfels e.V.
Ludwigstraße 47
82467 Garmisch-Partenkirchen

08821 - 751710
info@museum-werdenfels.de
Anfahrtsplan

Sample image

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr.
An gesetzlichen Feiertagen auch Montags geöffnet.

Tickets

Eintritt ab 4,50 €
Parken in der Tiefgarage 2 Std. kostenlos
Mehr Informationen

Instagram

@museum_werdenfels